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Warum sich fachärztliche Berufsausübungsgemeinschaften lokal an der Stabilisierung der hausärztlichen Mangelversorgung zusammen mit Kommune und Landkreis beteiligen sollten

Executive Summary/ Arbeitshypothese

Die Engpässe in der Nachwuchsgewinnung für den hausärztlichen Bereich im ländlichen Raum und in sozial schwachen Ballungsgebieten veranlassen immer mehr Kommunen, Landkreise und deren Krankenhäuser, sich in der hausärztlichen Versorgung zu engagieren.

Die Kommunen unterstützen neuartige Hausarztfunktionen. Dienstleistungsgesellschaften stellen Grundstücke und Gebäude für Assistenz-Standorte zur Verfügung und geben Anschubfinanzierung für nachwuchsgerechte hausärztliche Arbeitsplätze. Gleichzeitig suchen sie regional erfahrene, professionelle Leistungserbringer, die in der Lage sind, die neu anstehende, vertikale, regionale Integrierte Versorgung mit Krankenkassen und Krankenhäusern anzustoßen und weiter zu entwickeln.

Wer hier als fachärztliche Berufsausübungsgemeinschaft in der Beteiligung und Mitorganisation eine Schlüsselfunktion hat, hat auch Einfluss auf die von Hausärzten ausgehenden Patientenströme und Versorgungsverflechtungen.

Hausarzt unterstützende Strukturen sollten Krankenhäusern nicht allein überlassen werden

Wenn sich neben Hausärzten, Kommune und Krankenhaus große lokale Berufsausübungsgemeinschaften (BAG´s) von Kardiologen, Gastroenterologen, Orthopäden/Chirurgen, Augenärzten, Gynäkologen etc. in den neu zu bildenden Hausarzt-Assistenz-Servicegesellschaften engagieren und Mitverantwortung für den Erhalt und die Weiterentwicklung des freiberuflichen Hausarztsektors übernehmen, schützen sie automatisch ihre eigene unternehmerische Position im Bereich "fachärztlicher Premiumdienstleistungen".

Fachärzte sind im Wettbewerb mit Krankenhäusern

Es zeigt sich im Bereich angiologischer, invasiver Verfahren und orthopädisch-chirurgischer Eingriffe, dass Krankenhäuser im ambulanten Sektor über Direktverträge mit Krankenkassen Facharztgruppen immer stärker ausgrenzen wollen.

Hausärzte: Zünglein an der Waage in der Zuweisungssteuerung des Wettbewerbs zwischen Krankenhaus und Fachärzten

Da die Krankenkassen im Direktvertrag leistungsfähige Partner zu festen Preisen für die oben genannten Strukturen suchen, steht die Facharzt-BAG im Direktvertrag in unmittelbarem Wettbewerb mit entsprechend gut aufgestellten Krankenhausabteilungen.

Wer in Zukunft die regionalen Hausarztzuweisungen mit prägen und die Idee der freiberuflichen Hausarztversorgung unterstützen will, muss jetzt handeln. Er hilft einer freiberuflichen Weiterentwicklung des Hausarztsektors und gleichzeitig schützt er seinen eigenen Bereich bezüglich hochrentabler, existenzsichernder Premiumeingriffe.

Engagement der Facharzt-BAG im Hausarztbereich - kontraproduktiv?

Ausgangspunkt der Überlegung ist die These:

"Das tradierte Hausarzt-Konzept mit wohnortnaher Einzelpraxis bricht zusammen, weil zwischen 2010 und 2020 rein statistisch jeweils 2/3 der frei werdenden Hausarztzulassungen nicht nachbesetzt werden können!"
oder:
2.500 Praxis-Abgaben p. a. stehen in den nächsten 10 Jahren einer Einsatzmenge von ca. 950 Hausärzten p. a. gegenüber.

Die verbleibenden lokalen Hausarztpraxen, oft selbst in der mittelfristigen Praxisabgabephase, werden von nicht weiter betreuten Patienten überrannt. Kommunen und Landkreise sind im Handlungszwang mit neuartigen, kommunal mit geprägten Versorgungsstrukturen, um neue Versorgungskonzepte zu entwickeln.

Ärzte Zeitung, 25.01.2010

Nachwuchsmisere beschert Ärzten an der Saar Mehrarbeit


SAARBRÜCKEN (kud). Auf die Ärzte im Saarland kommen durch Nachwuchs-probleme und die demografische Entwicklung erhebliche Mehrarbeit zu. Nötig sei es künftig, die Vorrangigkeit der Behandlung einzelner Patientengruppen festzulegen.

Beim Neujahrsempfang der KV Saarland begründete Vorstandschef Dr. Gunter Hauptmann diese Prognose mit konkreten Zahlen. Nach seinen Angaben wurden 2009 an der Saar gut sechs Millionen Behandlungsfälle abgerechnet. Damit hätten die 1900 KV-Mitglieder im Schnitt 3158 Patienten versorgt.

Wenn in den kommenden zehn Jahren von den knapp 40 Prozent der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten, die dann das Rentenalter erreichen, die Hälfte ersetzt würde, hätte jeder Leistungserbringer rund 800 Patienten pro Jahr mehr zu versorgen. Hausärzte müssten im Jahresmittel sogar mit acht statt bisher zwei Hausbesuchen pro Tag rechnen.



Saarländisches Ärzteblatt - Ausgabe 2/2010, Seite 8

Die drängenden Herausforderungen im Gesundheitswesen müssten aber endlich angegangen werden: die demographische Entwicklung der Ärzteschaft und der Bevölkerung. So seien im Saarland 2009 gut 6 Millionen Behandlungsfälle abgerechnet worden. Das bedeute, dass bei etwa 1.900 Mitgliedern der KV pro Mitglied 3.158 Patienten im Jahr versorgt werden. Im Saarland würden in den kommenden zehn Jahren knapp 40 Prozent der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte sowie Psychologischen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten das Rentenalter erreichen. Wenn nur die Hälfte der in Rente gehenden ersetzt werden würden, dann blieben 1520 übrig. Defacto hieße dies, dass jeder Leistungserbringer - durch den steigenden Behandlungsbedarf - im Saarland pro Jahr etwa 800 Patienten mehr zu versorgen habe als jetzt. Dr. Hauptmann: "Für die Hausärzte habe ich einmal errechnet, dass bei dieser Betrachtungsweise im Jahresmittel nicht mehr zwei, sondern acht Hausbesuche täglich zu übernehmen sein werden. Der Handlungsbedarf für alle am Gesundheitswesen Beteiligten ist also offensichtlich."

Hierzu suchen Kommunen und Landkreise mit der Veranstaltung:

"Runde Tische zur Neuordnung der lokalen Versorgung"

strategische Lösungsansätze und fachkundige Kooperationspartner aus allen Bereichen der von den Hausärzten abhängigen Leistungserbringung.
Kooperationspartner mit eigenem Interesse sind die Krankenhäuser, die selbst im Wettbewerb um Hausarztzuweisungen stehen.

Hauptschwierigkeiten der hausärztlichen Infrastruktur: Überalterung, Zersplitterung und freiberufliche Selbstorganisations- defizite

Fachärzte haben die Kooperationsgedanken von Kostensenkung, Arbeitsteilung und Kommunikationsaustausch schon seit über 2 Jahrzehnten verinnerlicht.

Nicht erreichen konnte das Organisationskonzept insbesondere Hausärzte ab 50 Jahren, die noch jetzt die Mehrheit der hausärztlichen Versorgungsstrukturen sicherstellen.

Das Rollenverständnis des Hausarztes ist extrem individuell. Er versteht sich als medizinisch breit aufgestellter, psychosozialer, auf jeden zugehender, den persönlichen Hintergrund ganzheitlich mit betrachtender, zuwendungsorientierter Arzt und Treuhänder für alle Veränderungskonflikte des Patienten.

Eine Rolle, die heute zunehmend überfordert, wenn wir an ein immer älter und immobiler werdendes Patientengut denken; zerbrochene Familien mit Scheidungsstrukturen; soziale Migration, Ghetto-Bildung, Auflösung der Familien- und Einkommensstrukturen.

Genau dieses, heute nicht mehr erfüllbare Rollenbild einer Tag und Nacht umfassenden Präsenz lehnt der neue hausärztliche Nachwuchs ab.

Bei Betrachtung des hausärztlichen Nachwuchses gibt es folgende, neue Gesichtspunkte zu berücksichtigen.

  1. Generell bietet der ländliche oder sozial schwache Raum für alle akademischen Berufe und damit naturgemäß auch für alle jüngeren Ärzte und ihre akademisch geprägten Ehe-/ Lebenspartner keine Attraktivität. Anspruchsvolle Arbeitsangebote, hochwertige soziale Netzwerke, optimale Bildungsangebote für die Kinder und umfassend optimale Freizeitangebote sind im ländlichen Raum in sozialschwachen Ballungsgebieten suboptimal.
  2. 60 Prozent des jetzt zur Verfügung stehenden ausgebildeten Hausarztnachwuchses von 950 bis 1.200 Personen p. a. sind weiblich und wünschen sich medizinisch klar abgegrenzte Tätigkeitsangebote in einer Angestelltenfunktion, die sie von allen Verwaltungstätigkeiten befreit, in der sie keine Verpflichtung haben, die Arbeitsorganisation aufrecht zu erhalten und sich mit unternehmerischen Fragen wie QM-Strukturen, IT-Vernetzung, Abrechnungsstreit etc. zu befassen. Damit steht der überwiegende Anteil des weiblichen Nachwuchses einer unternehmerischen oder investiven freiberuflichen Funktion distanziert gegenüber.
  3. Die verbleibende männliche Hausarztgruppierung hat inzwischen selbst parallel berufstätige Ehepartnerinnen mit engem Zeitkorsett. Berufsnetzwerke müssen gepflegt, Fortbildungsstrukturen berücksichtigt und Kinder betreut werden.

Hausärztliche Versorgungsstruktur im Umbruch

Historischer Kontext: Heutiger Nachwuchs:
  • Gleichwertige Lebensverhältnisse Stadt und Land
  • Intakte Familienstruktur
  • Soziale Strukturen Stadt-Land relativ einheitlich
  • Kurative Akut-Medizin
    • Nur 1/3 Hausärzte stehen zahlenmäßig zur Verfügung
    • 60 % weiblich/Teilzeitbedürfnis
    • Abgeber: 2.400 p.a., Übernehmer: 800 p.a.
    • Standort für Wohnen und Kinder, hochwertiges städtisch/suburbanes Umfeld
    • Eher Angestelltenfunktion ohne Investition gewünscht
    • Arbeitsmodell für gleichwertige Berufstätigkeit
    • Enge zeitliche Grenzen
    • Wunsch nach Arbeitsteilung, Tätigkeit im Team, konsiliarische Richtungen



    Somit ist der überwiegende Teil der Hausärzte an klar strukturierten Arbeitsplätzen mit guter personeller Infrastruktur der Verwaltung - analog zum Krankenhaus - interessiert.

    Die Kontinuität in den hausärztlichen Betreuungs- und Kommunikationsprozessen kann bei dieser Generation nicht mehr durch persönliches Erinnerungsvermögen des tradiert immer zur Verfügung stehenden Hausarztes sichergestellt werden.

    Somit muss sich die neue, dem Hausarzt assistierend zur Verfügung stehende Versorgungsstruktur auf alle beteiligten Ärzten einer überörtlichen Praxisgemeinschaft oder Berufsausübungsgemeinschaft konzentrieren, eine umfassende Patientenakte/ Dokumentation zur Verfügung stellen und neuartig, umfassend den Patienten mit nicht-ärztlichem Personal unter Anleitung des Arztes betreuen.

    Damit ist das tradierte, unternehmerisch-freiberufliche, personenzentrierte hausärztliche Zuwendungsmodell auf Einzelpraxis-Basis durch psychosozialen Wandel und die neue, geschlechtsspezifische Bedürfnisstruktur still und leise, von der Gesellschaft kaum bemerkt und diskutiert, zusammengebrochen.

    Was müssen fachärztliche BAG-Gesellschafter vom hausärzt lichen Zukunftsmodell des Gesetz gebers und des Sachverständigen rates wissen.



    Wichtig für sich vertiefend informierende Fachärzte sind folgende Literaturstellen:

    1. Bericht der Arbeitsgemeinschaft der Obersten Landesgesundheitsbehörden zur Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung in Deutschland
      Die Primärversorgung in Deutschland im Jahr 2020
      (Beschluss der 81. GMK)

    2. SACHVERSTÄNDIGENRAT zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen - Koordination und Integration - Gesundheitsversorgung in einer Gesellschaft des längeren Lebens

    In dem Sondergutachten des Sachverständigenrats 2009 unter der Federführung des Allgemeinmediziners Prof. Gerlach, Universität Frankfurt, wird die Meinung vertreten, dass es darauf ankommt, für die übergeordneten lokalen Bedürfnisse einer neuartigen hausärztlichen Versorgungsstruktur eine kontinuierlich lernende, wachsende Verwaltungs- und Organisationsstruktur zu entwickeln, die ihre Dienstleistung freiberuflichen Haus- und Primärärzten auf der Basis von BAG/ Einzelpraxis in einer zentralen Assistenzservice-Immo-bilie anbietet. Die Rolle muss eine professionell gebildete Service-Gesellschaft übernehmen, die die Verwaltung der übergeordneten hausärztlichen überörtlichen und Standortbedürfnisse übernimmt. Nutzer können die einzelnen Praxen oder auch Berufsausübungsgemeinschaften sein oder eine Kombination von beiden.

    Im Hinblick auf eine immer älter und immobiler werdende Gemeinschaft muss diese Arbeitsorganisation eine IT-Basis haben, Leitlinien gestützt sein und alle pflegerischen und sozialamtlichen Vernetzungsstrukturen umfassen.

    Insoweit verlangt der Sachverständigenrat von den Kommunen eine Vernetzung auch im Bereich Sozialamtstrukturen, mit Pflege und Hausarztebene. Dies ist die Aufgabe der neu zu gründenden Assistenzservice-Gesellschaften für den hausärztlichen Sektor.

    Vielen Ärzten ist immer noch nicht klar, dass es verbindlich beschlossen ist, dass die landesweiten, fachbezogenen Vergütungsstrukturen im Stufenprozess durch spezifische, regional und vertikal vernetze Versorgungsstrukturen abgelöst werden sollen.

    Es ist kein plötzlicher "Entweder oder Prozess", sondern ein stufenweiser Prozess von nebeneinander existierenden Vergütungsformen. Ist es doch einer der Gründe, wieso der Gesetzgeber an hausärztlichen Versorgungsstrukturen interessiert war, die über Direktverträge des Hausarztverbandes organisiert waren. Im Gegensatz zu den KV´en ging es dem Gesetzgeber um eine anzustoßende, konkrete Flexibilisierung von Lernprozessen.

    Die Verzahnung von Facharzt-Direktverträgen mit Hausarzt-Direktverträgen, wie sie jetzt in Baden-Württemberg von MEDI und vom Hausärzteverband mit den Kardiologen und anderen Fachärzten praktiziert wird, ist ein Ausschnitt dieser gesamtgesellschaftlichen Entwicklung.

    Mit Qualitätsoffensive gegen Konkurrenz punkten

    Mit IV-Projekten wie in Berlin und Südbrandenburg hat bei der BARMER die Zukunft bereits begonnen

    Wuppertal (01.02.2009) Alle reden von einem neuen Qualitätswettbewerb. Bei der Barmer hat die Zukunft schon begonnen.
    "Für uns steht nicht Ambiente, sondern die exzellente medizinische Versorgung der Patientinnen und Patienten im Mittelpunkt, so Dr. Johannes Vöcking, der Vorstandsvorsitzende der Barmer. Dass und wie dies funktioniert, belegen die Erfolge der Zusammenarbeit von Barmer und dem Polikum in Berlin, aus der das Programm "Pro Polikum plus" entstanden ist: Etwa 80 Haus- und Fachärzte nahezu aller Fachrichtungen, ein ambulantes OP-Zentrum und verschiedene Krankenhäuser (darunter die Klinik für Minimalinvasive Chirurgie, das Martin-Luther-Krankenhaus und die DRK Kliniken Berlin / Westend) beteiligen sich, um den Versicherten der Barmer die bestmögliche Versorgung zu bieten. Polikum heißt "Netzwerk Plus", so Vöcking.
    Nach zweijähriger Pilotierung bestätigen sich klare Vorteile für die Patientinnen und Patienten:

    • Ob einfach nur erkältet oder multimorbid, die Versicherten profitieren von genau auf die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten abgestimmten optimalen ärztlich-ambulanten Behandlungspfaden
    • Daraus resultierend kurzfristige Facharzttermine bzw. kurzfristige - soweit erforderlich - OP-Termine in Krankenhäusern
    • Darüber hinaus profitieren die Patientinnen und Patienten von einer bevorzugten Terminvergabe bei Neuerkrankungen
    • Öffnungszeiten zwischen 7 und 20 Uhr an allen Werktagen
    • Eng aufeinander abgestimmte Versorgungsprozesse - nicht nur im ärztlich-ambulanten Bereich, sondern auch z.B. bei der stationären Versorgung
    • Eine weitestgehende Vermeidung stationärer Aufenthalte durch eine optimierte ambulante Behandlung
    • Eine intensive spezifischen Betreuung sowohl durch die Experten des Barmer Versorgungsmanagements, als auch insbesondere von der engen Kooperation mit den Case-Managern des Polikums.

    All diese Vorteile bietet "Pro Polikum plus" nicht nur an einem Standort, sondern gleich an dreien, nämlich in Friedenau, Charlottenburg und Lichtenberg. Und mehr noch: Die Barmer wollte wissen, ob ein solches Modell nur in Ballungszentren funktioniert, oder auch in strukturschwächeren, von einer medizinischen "Unterversorgung" bedrohten ländlichen Region wie etwa im südlichen Brandenburg. Aus diesem Grund gibt es seit einem Jahr "Pro Med plus" in Elsterwerda, Finsterwalde und Senftenberg. Hier haben sich 70 niedergelassene Haus- und Fachärzte auf einer gemeinsamen IT-Plattform vernetzt, die dortigen Krankenhäuser sind partnerschaftlich mit einbezogen. Auch hier sind die oben genannten positiven Erfahrungen für die Patienten greifbar, so Vöcking weiter.

    Quelle: www.barmer.de/Presse.Archiv

    Hausarzt-Nachwuchsmangel - ungeplanter Auslöser des not wendigen regionalen Versorgungs neuordnungsprozesses

    Aus der Sicht des Gesetzgebers und der Landkreise/ Kommunen ist der unmittelbare Handlungsbedarf zur Kompensation des Hausärztemangels und der Schaffung neuer Arbeitsplätze für den hausärztlichen Nachwuchs drängender als die Einführung regionaler integrierter Versorgung.

    Insbesondere die Engpässe bei der Überlastung der lokal verbleibenden Hausärzte durch den Zustrom nicht nachzubesetzender Zulassungen werden als kommunale Schlüsselaufgabe gesehen. Die anderen Integrationsprozesse werden von der Kommune nicht primär als eigene angesehen, sondern als Aufgaben der betroffenen Gruppe. Die Kommune hat grundsätzlich kein Interesse daran, sich durch Veränderungsprozesse dem Unmut von Ärzten auszusetzen, die sich zum jeweiligen Zeitpunkt nicht gern einem Veränderungsprozess unterziehen wollen.

    Kommunale Priorität: Hausärztliches Nachwuchsproblem und lokales hausärztliches Überlastungsproblem professionell lösen



    Alle Kommunen, die Hausärzte verlieren oder die Betreuung der Patienten durch neue Konzepte nicht sicher stellen können, verlieren sofort Bürger aus der bestehenden Wohnbevölkerung. Diese Bürger ziehen aus Angst vor einer mangelhaften Versorgung im Alter in besser versorgte Regionen.

    Gleichzeitig stoppt der Zustrom jüngerer Bevölkerungsgruppen, weil diese Angst haben, ohne ausreichende haus-, kinder- und frauenärztlichen Versorgung in dieser Region einen Lebensmittelpunkt etablieren zu können.

    Das sind die wahren Schlüsselmotive für Bürgermeister und Landräte, die deshalb aus den Mitteln der Kommune oder aus Mitteln kommunal nahe stehender Institutionen Anschubmittel für die Bedürfnisanalyse und Interessenstruktur der Hausärzte ab 55 Jahren zur Verfügung stellen.

    Gleichzeitig führen sie eine Befragung aller Hausärzte durch, die von den Veränderungsprozessen der Region betroffen sind. Anhand ihrer konkreten Erfahrungen und Bedürfnisse will man die dann anstehenden Schritte für konkrete Assistenzhilfestellungen im Bereich von Dienstleistungen und Immobilien angehen.

    Die Comunomed Hausarzt-Assistenz- Service-GmbH - Muster einer regionalen Projektstruktur

    Die zu gründende lokale, individuelle Comunomed Hausarzt-Assistenz-Service-GmbH muss sich die Frage nach einer Projektstruktur stellen.

    Die Kommunen legen Wert darauf, dass sich alle professionell von Hausärzten mit beeinflussten Berufsgruppen und Dienstleister in diesem Bereich engagieren. Dazu gehören, wie dargestellt, neben interessierten anderen Hausarzt-Berufsausübungsgemeinschaften, Krankenhaus, Fachärzte, Apotheker, Pflegeinstitutionen und Physiotherapeuten.

    Die Krankenkassen sind bereit, solche Strukturen mit Direktverträgen ohne Mengenbegrenzung und mit erhöhten Honoraren zu unterstützen, wenn es zu messbaren Medikamenteneinsparungen und sinnvollen Senkungen von Krankenhauseinweisungen in den Bereichen Diabetes, Herzinsuffizienz, Demenz, Depression etc. kommt.

    Ärzte Zeitung, 01.02.2010

    Wird die Einzelleistungsvergütung reanimiert?

    Ärzte und BKKen im Norden wollen Modellversuch / In Frage kommen nur Regionen mit ärztlicher Unterversorgung

    HAMBURG (di). Ärzte und Betriebskrankenkassen im Norden streben Modellversuche mit Pilotcharakter an. Aktuell steht dabei die Wiedereinführung der Einzelleistungsvergütung im Mittelpunkt der Überlegungen - aber wohl nur dort, wo ärztliche Unterversorgung droht.
    "Einzelleistungsvergütung ist kein Wettbewerbsmodell", sagt Dr. Dirk Janssen. Der Vertragschef des BKK-Landesverbandes im Norden ist zwar aufgeschlossen für die Pläne der KV Schleswig-Holstein, die ein Modellprojekt zur Einzelleistungsvergütung umsetzen will.
    Als Projekt, um sich von der Kassenkonkurrenz abzusetzen, taugt es nach Ansicht Janssens aber nur bedingt. Nach seiner Auffassung sollte deshalb nach einer Startphase eine kassenartenübergreifende Lösung zur Einzelleistungsvergütung gefunden werden.
    Konkrete Vorstellungen, wo ein solches Modell an den Start gehen könnte, will er noch nicht preisgeben. Fest steht aus seiner Sicht aber, dass es eine Region sein sollte, in der Unterversorgung droht: "Das ist sicher kein Modell für Hamburg, eher für Dithmarschen."
    Janssen stellte im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" auch klar, dass er das Modell für die flächendeckende Versorgung nicht geeignet hält. "Die Erfahrungen zeigen, dass eine Einzelleistungsvergütung zu einer Leistungsexplosion führt. Und eine Gegensteuerung über höhere Eigenanteile und Selbstbehalte für die Patienten stößt bei älteren, kranken und finanziell weniger betuchten Versicherten an ihre Grenzen", sagte Janssen. Stattdessen schlägt er eine Erprobung dieser Vergütungsform in Regionen mit unzureichender ambulanter Versorgung vor, um zusätzliche Anreize für eine Niederlassung zu schaffen.
    Mit der Beteiligung an solchen Kooperationsmodellen wollen die Betriebskrankenkassen im Norden auch ihr Image als innovative Kassenart stärken. Dieses Ziel verfolgen sie bereits mit dem Projekt "Gesundheit im Zentrum", bei dem Ärzte in Gesundheitszentren unter dieser BKK-Marke kooperieren. Solche Verbünde gibt es, wie berichtet, in Kiel und Hamburg.
    Janssen: "Im Rahmen einer solchen Kooperation könnte diesem Konzept weiterer Schub verliehen werden."













    Organisationsstrukturen von Krankenhäusern, Fachärzten und Netzen integrieren

    Wenn das Krankenhaus der Hausarzt-Service-GmbH in den Bereichen QM, Personal und IT Hilfestellungen gibt, der Apotheker und das Sanitätshaus die Home-Care-Betreuung organisieren, ergeben sich nachhaltige Kostenersparnisse, auch dann, wenn man auf Patientenakten-Strukturen von Netzen und andere Dienstleistungen zurückgreift, die bereits vernetzte Mitglieder entwickelt haben.

    Nutzt man darüber hinaus die Möglichkeit Verträge mit Medikamentenersparnissen zu schließen, kommt dies der Rentabilität der Gesellschaft zu Gute, wie auch der Stabilisierung der Honorare, die daraus an die mitbetreuten Ärzte gezahlt werden können.

    Hinzu kommen die Vorteile aus der Haus-/ Primärarzt Assistenz-Immobilie, in der sich in einem zeitlichen Stufenprozess die Ärzte ansiedeln können, die im Laufe des 10-jährigen Planungsprozesses ihren Standort in diesen kostengünstigen Anlaufpunkt verlagern.

    Die Hausärzte mit eigenen Standorten können die Assistenz-Einrichtung mit Teilzeitstrukturen unterstützen, so dass dort eine für die Krankenkassen wichtige Daueranlaufstelle für den regionalen Großraum unterhalten wird, die von morgens 6.30 Uhr bis abends 20.30 Uhr an 6 Tagen in der Woche geöffnet ist.

    Bieten sich neben den Hausärzten an diesem Standort im Verlaufsprozess Kinderärzte, Psychotherapeuten, Frauenärzte, Zahnärzte an und unterhalten Facharztgruppen dort eine Anlaufstelle für gemeinsame Diagnostik und Nachsorge, entsteht bei Beibehaltung des historischen Versorgungskonzeptes eine neuartige, ergänzende Versorgungsstruktur für die Region.



    Sicherung eines Praxisabgabepreises für Ü-55-Hausärzte - auch ohne Praxisnachfolger

    Die Comunomed Hausarzt-Assistenz-Service-GmbH stellt sicher, dass alle Hausärzte über 55 Jahre, die sich an diesem System beteiligen, eine Vergütung für ihre Praxis erhalten, selbst wenn es nicht zu einer personellen Nachfolge kommt. Voraussetzung ist, dass sie drei Jahre lang an dem Konzept mitwirken und man sich so auf die Übernahme der Patienten vorbereiten kann. Die dafür notwendigen Mittel werden aus den Einnahmen von Direktverträgen mit Medikamenten-Ersparnissen zurückgestellt.

    Auf diese Weise ist sichergestellt, dass die verwaisten Patienten von der hausärztlichen Kooperationsgruppe an deren Standorten und im Assistenz-Service-Zentrum weiterversorgt werden.

    Selbstverständlich können Hausarztpraxen des Verbundes die Patienten im Rahmen eines freiberuflichen Wachstumsprozesses immer zunächst an ihren regionalen Standorten weiterbetreuen, bevor sie gegebenenfalls in ein etwas weiter liegendes Zentrum verwiesen werden müssen.

    Wer 1.000 Patienten überträgt, kann dann im jedem Falle 50.000,00 € als Vergütung für seine Lebensleistung erhalten.

    All diese Veränderungsprozesse können mit der neuen Infrastruktur professionell geplant und strukturiert werden.

    Fachärzte immer informiert und mitgestaltend

    Durch die Entscheidung einer Facharzt-BAG, sich unternehmerisch an einer Comunomed-Hausarzt-Assistenz-Gesellschaft zu beteiligen, entstehen automatisch Informations- und Zuweisungsvorteile. Die freie Arztwahl bleibt immer gewahrt.

    Die Facharzt-BAG am Beispiel einer kardiologischen/ gastroenterologischen Praxis ist Mitgesellschafter neben anderen Facharzt-BAG´s, die sich hierfür entscheiden können.

    Zu denken ist an Berufsausübungsgemeinschaften von Augenärzten, Orthopäden, Radiologen, Labor, Neurologen.

    Denkbar ist für eine entsprechende GmbH eine beispielhafte Einlage von 10.000,00 €, die durch andere Mitbeteiligte aufgestockt wird.

    Hier ist nochmals in der Übersicht zu denken an:

    Daraus ergibt sich automatisch das Wissen um neue Direktvertragskonzepte der Krankenkassen, Verbesserung der Konsiliararztmöglichkeiten im Krankenhaus etc.

    Kontaktaufnahme und Unterstützung bei Gesprächem mit Bürgermeistern und Landräten

    Wer sich für solche Konzepte interessiert, der wende sich an die Rechtsanwälte Stefanie Pranschke-Schade und H.-J. Schade innerhalb der Sozietät Broglie, Schade & Partner GbR. Sie sind darauf spezialisiert, mit Bürgermeistern und Landräten erste Schritte zu entwickeln, die das Ziel haben, die lokale hausärztliche Versorgung sicher zu stellen und die nach einer in der Kommune durchgeführten Befragung der Bedürfnisse von Hausärzten über 55 Jahre und der jüngeren Generation zwischen Ü-35 und Ü-55 mit allen Beteiligten, die sich dafür interessieren, das jeweils individuelle, regionale Projekt entwickeln.

    H.-J. Schade
    Rechtsanwalt
    Fachanwalt für Medizinrecht
    Broglie, Schade & Partner GBR

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