Sonnenberger Str. 16, 65193 Wiesbaden, Tel. 0611/180950; Fax: 0611/1809518 |
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Im Rahmen des von RA H.-J. Schade initiierten 16. Forum Health Care der Anwaltssozietät Broglie, Schade & Partner GBR und der Unternehmensberatung M³C hielt Herr Dr. Dirk Janssen, Vorstand der Betriebskrankenkassen Landesverband Nord, einen Schlüsselvortrag zur Rolle freiberuflicher Service-Ergänzungsimmobilien mit der Möglichkeit hierfür Direktvertragschancen mit einer führenden Krankenkasse zu bekommen. Dr. Janssen wies daraufhin, dass es aller Wahrscheinlichkeit nach Anfang Januar 2010 zu Regelungen zwischen den Krankenkassen und der KBV kommen wird, die es gestatten, Direktverträge zu schließen, die den Ärzten Freiheit geben, ohne Mengenbegrenzung abzurechnen. Voraussetzung dafür ist der in Aussicht stehende Kompromiss zur Bereinigung solcher Vertragsmodelle aus dem Kollektiv-Vertragsvolumen der KV. Dr. Janssen ging davon aus, dass die fachärztliche Einzelpraxis langfristig ein Auslaufmodell ist. Investitionen und Kosten für Einzelpraxen, die Infrastrukturen nur maximal drei bis fünf Stunden nutzen, sind wesentlich teurer als wenn Strukturen ggf. von Krankenhaus und mehreren niedergelassenen Ärzten gleichzeitig genutzt werden und somit einen Nutzungsfaktor von 16 Stunden pro Tag an sechs bis sieben Tagen die Woche haben. Gleichzeitig sieht er eine verstärkte Konkurrenz niedergelassener Strukturen durch Krankenhaus, MVZ's oder größeren innerärztlichen fachgleichen Zusammenschlüsse. Weiterhin sieht er die Fortführung von Einzelpraxen eingeschränkt durch die Feminisierung der Medizin und den Bedürfnissen von Ärzten/Ärztinnen nach flexiblen Arbeitszeitmodellen, die primär nur in neuen Organisationsstrukturen von Berufsausübungsgemeinschaften oder zentralen Immobilienstandorten geschaffen werden können. Regionale Unterversorgung als zunehmendes Problem Dr. Janssen sagt zwar, dass es numerisch keinen Ärztemangel gibt. Durch Arbeitszeitverkürzungen und durch Teilzeitwünsche aber die existierende Kopfmenge an Ärzten nicht ausreicht, die erforderliche, bundesweit verteilte Versorgungs-Bedarfsstruktur zu erfüllen. Engpässe sieht er in insbesondere im ländlichen Raum und in strukturschwachen Ballungsgebieten. Er sieht die Ursachen nicht alleine finanzielle begründet, sondern eher in der nicht attraktiven Infrastruktur und im Wandel der Erwartungen an den Arztberuf.
Standpunkt der Betriebskrankenkassen: Freiberuflichkeit hat weiterhin Zukunft! In neuartigen freiberuflichen Kooperationsformen sieht Herr Dr. Janssen eine größere Flexibilität als bei Krankenhaus-MVZ's. Ferner sieht er ein wichtiges Gegengewicht durch leistungsstarke freiberufliche Kooperationsstrukturen gegenüber Monopolbildungen, die sich im Umfeld von privaten Krankenhausträgern immer stärker verdichtet. Künftige Voraussetzungen sind für ihn Synergien durch Kooperation, vernetzte Zusammenarbeit zwischen den Ärzten und managementfähige Strukturen. Im Zentrum: Das neue Angebot der Betriebskrankenkassen als Premiumpartner freiberuflicher Ärzte! Unter dem Gesichtspunkt "Gesundheit im Zentrum" sehen die Betriebskrankenkassen neuartige Gesundheitsimmobilien, die von den Kommunen unterstützt, in der Servicestruktur bestehende Praxisstandorte, verbunden durch überörtliche Sozietäten ergänzen. Der Grundgedanke ist nicht, bestehende Praxisstrukturen zu verlagern, sondern diesen die Möglichkeit zu geben, in einem Stufenprozess an zentralen Standorten - mit der Unterstützung der Kommunen - Schwerpunktversorgungsansätze zu bilden, die als zentrale Dienstleistung die einzelnen Standorte mit ihrer wohnortnahen Versorgung ergänzen. Im Rahmen übergreifender Berufsausübungsgemeinschaften hat jeder zugelassene Vertragsarzt eines Standortes der Berufsausübungsgemeinschaft das Recht zwei weitere Standorte bspw. an zentralen Standorten zu benutzen, bis zu 13 Stunden pro Woche für EBM und bis zu 20 Stunden für Integrierte Versorgung und Privatmedizin. Unter diesem Gesichtspunkt können besonders attraktive Schicht-Versorgungs-systeme in Mittelzentren/Unterzentren angeboten werden, ohne dass es zu einer Entwertung der bestehenden freiberuflichen Praxisstandorte von Hausärzten, Gynäkologen, Neurologen etc. kommt. Dieses Modell wendet sich gegen ein Modell, das wie in tradierten Ärztehäusern verlangt, dass die Praxen umziehen. Beispielsweise könnte nach dem neuen, kleinräumigen KBV-Modell ein von der KV zur Verfügung gestellter Arztsitz in der neuen Ergänzungsimmobilie platziert werden und so den Nukleus einer fachgleichen überörtlichen Versorgungsstruktur bilden. Konfliktfrei können dann in dem Verbund tätige fachgleiche Hausärzte am Zentralstandort jeweils eine Vier-Stunden-Schicht absolvieren und somit der Bevölkerung an den zentralen Standorten eine, den Notdienst entlastende Versorgungsstruktur anbieten, die von morgens um 7.00 h bis abends um 20.30 h reicht. Gleichzeitig können aber die wohnortnahen Versorgungsstrukturen weiter aufrecht erhalten werden. Die Investitionskosten inkl. Einrichtung werden von Investoren mit Bürgschaften der Kommunen errichtet und können auf Teilzeit gegen Nutzungsentgelt - ohne Notwendigkeit der Investitionen - mitgenutzt werden. Denkbar ist auch, dass die Infrastrukturen organisationsmäßig von einem kooperierenden Krankenhaus mit organisiert werden, wie sich das in der KBV als idealtypische Vorstellung für den ländlichen Raum abzeichnet. Notwendig wird es sein, dass sich interessierte niedergelassene Ärzte im Rahmen von vorbereitenden "Projektstudien" sich jetzt mit solchen Konzepten auseinander setzen, um diese dann den regionalen Kommunen als konkrete Bedarfskonzeption vorzulegen. Das Konzept der Betriebskrankenkassen bietet insoweit Sicherheit, als es bereits konkret auf solche Strukturen abzielende Direktvertragsangebote von Krankenkassen gibt. ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Zusammenfassung: Die Konzepte der KBV, des nordrheinwestfälischen Sozial- und Gesundheitsministers Laumann, wie aber auch die Ankündigungen der KBV im Bericht vom 4.12.2009 von Dr. Köhler zeigen, wie schnell sich jetzt die Versorgungslandschaft ändert. Unternehmerische Ärzte sind insoweit jetzt aufgefordert, zu prüfen, mit welchen denkbaren, ihnen von der Persönlichkeitsstruktur und von der Kompetenz sie ergänzenden Kooperationspartnern, sie einen erweiterten Nucleus einer überörtlichen BAG bilden können. Ferner welche Abgeber in der erweiterten Umgebung durch Vorgespräche aktiviert werden können, im Rahmen eines sanften Übergangs solche Kooperationskonzepte mit zentralen Ergänzungsimmobilien anzugehen. Hinzu kommen erste Kontakte zu regionalen kommunalen Entscheidungsträgern auf der Ebene von Bürgermeistern, Klinikreferenten, Landräten oder Mitgliedern von Landkreis, Stadtverordnetenversammlung oder Landtag. Gleichzeitig zeigt das Janssen-Papier der BKK, dass man mit diesem Konzept auch auf andere Krankenkassen zugehen kann, die sich regional positionieren wollen. Das Bekenntnis zur Weiterentwicklung freiberuflicher Strukturen durch die Betriebskrankenkassen ist ein deutliches Signal, dass die Betriebskrankenkassen gerade mit Hilfe niedergelassener freiberuflicher Ärzte sich einen Marktvorteil schaffen wollen im Wettbewerb mit anderen Krankenkassen. Gerade Krankenkassen, die in der Vergangenheit mit Hilfe von Angestellten-MVZ's durch Investoren in den Markt eingedrungen sind, zeigen beispielweise mit dem Atriomed-Konzept ihre Geringschätzung freiberuflicher Strukturen. H.-J. Schade Rechtsanwalt Fachanwalt für Medizinrecht Broglie, Schade & Partner GBR 65193 Wiesbaden Sonnenberger Str. 16 Tel. 0611/180950 Fax: 0611/1809518 80799 München Georgenstr. 13 Tel.: 089/33037731 Fax: 089/33037732 10178 Berlin Oranienburgerstr. 12 Tel.: 030/28091809 Fax: 030/28091944 www.arztrecht.de bsp@arztrecht.de Spezialisten für regionale Versorgungskonzepte Ambulant/stationär/interdisziplinär Innerärztliche Kooperationsgemeinschaften Dienstleistungen
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