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Der Arzt als Life-Coach
Neues Berufsbild als gewerblicher IGeL-Dauerbetreuungsprozess

Mit überlegener Fragetechnik Menschen ganzheitlich zu beruflicher und persönlicher Höchstleistung führen


H.-J. Schade
Rechtsanwalt



Niedergelassene Ärzte haben Compliance-Techniken gelernt und wissen, wie stark sich Berufs- und persönliches Lebensumfeld auf Gesundheit und individuellen Lebenserfolg auswirken.

Dennoch haben sie - außerhalb der kurativen Versorgung - im präventiven Bereich diese Rolle anderen Berufen überlassen.

Dies umzukehren und damit dem Arztberuf ein weiteres, hoch akzeptiertes gesellschaftliches Rollenbild mit guten Einkommens-Perspektiven zu verschaffen, ist Ziel der folgenden Überlegungen.

Betreuungskonzepte entwickeln

In Wirtschaft, Politik und Sport hat sich eingebürgert, dass Coaches, Mental- und Fitness-Trainer personalisierte Betreuung anbieten. Ziel ist eine auf optimaler Gesundheit beruhende berufliche und persönliche Selbstverwirklichung.

Zu unterscheiden sind je nach Situation und Angebot Dauerbetreuung oder periodenhafte Betreuung im Bereich beruflicher und persönlicher Zielerreichung oder zu den Themen Ernährung, Bewegung und Stressmanagement.

In den letzteren Bereichen haben die Krankenkassen durch die Förderung der Prävention eine neue Aufgabenstellung entwickelt und bedienen sich dabei Ärzten, Ernährungs- und Gesundheitsberatern als auch Spezialisten aus Fitness-Studios wie Physiotherapeuten, Pädagogen, Sportwissenschaftlern.

Steuerliche Gesundheitsförderung

Einen starken gesellschaftlichen Antrieb erhält das Thema "Aktive Gesundheitsgestaltung / Prävention" durch den Verzicht des Gesetzgebers auf Versteuerung und Abführung von Sozialabgaben für Mitarbeiter von Betrieben, wenn diese bis zu 500,00 Euro pro Mitarbeiter pro Jahr freiwillig in diesem Segment aufwenden wollen.

Den Betrieben geht es darum, Arbeitsfreude und Motivation der Mitarbeiter zu erhalten, deren Kreativität und psychosoziale Leistungsfähigkeit und Kommunikationsfähigkeit zu stärken und darüber hinaus einer älter werdenden Mitarbeiterschaft die Möglichkeit zu geben, gesund und optimal ihren Beruf bis zum 68. Lebensjahr auszuüben.

Genau diesen Gedanken nimmt generell das Konzept "Ärztliches Life-Coaching" auf und zielt primär auf Personen mit gutem Bildungshintergrund und größerem Einkommen. Hier sind im Hinblick auf die soziokulturellen Strukturen die größten Voraussetzungen für ein solches, selbst verantwortliches Gesundheits- und Lebenskonzept zu finden.

Adressaten sind vor allem Frauen ab 50, die nochmals für 20 Jahre einen neuen, aktiven persönlichen und beruflichen Lebensabschnitt planen, generell an hoher Kreativität und Lebensbejahung interessierte Führungskräfte, Freiberufler und Künstler.

Alle Personengruppen, die stark im öffentlichen und privaten Wirtschaftsbereich mit Kommunikation zu tun haben, benötigen ein Gegenüber als Gesprächspartner, der quasi in einer Form individueller Supervision den Personen einen Spiegel vorhält und sie ermuntert, die gemeinsam festgesetzten, intellektuell anspruchsvollen Zielvereinbarungen für individuelle Berufs- und persönliche Lebensziele systematisch zu erreichen.

Der Arzt mit seiner Doppelfunktion

Die grundsätzliche Möglichkeit eines Arztes als zusätzlicher gewerblicher Unternehmer im privaten Gesundheitsmarkt tätig zu sein, ist zwischenzeitlich bereits vielfach genutzt worden.

Primär lag das Rollenmodell des Arztes darin, außerhalb seiner Praxis neben der Ernährungsberatung auch Produkte zu verkaufen. Der Orthopäde hat die Möglichkeit genutzt, sich unternehmerisch an einem Fitness-Studio zu beteiligen.

Inzwischen hat die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes sogar gestattet, dass eine ergänzende Beratungstätigkeit im Bereich der Ernährungsberatung (allerdings ohne Produktabgabe) sogar in den eigenen Praxisräumen des Arztes stattfinden kann.

Voraussetzung ist die schriftliche Aufklärung des Patienten über diese gewerbliche Rolle, so dass es nicht zu einer Verwechslung mit seiner vertragsärztlichen, quasi primär kostenfreien, neutralen Heilkundetätigkeit für die GKV kommt.

Neues ergänzendes Berufsziel - Life-Coaching-Dauerbetreuungskonzept

In einer Zeit des längeren Berufslebens und der höheren Lebenserwartung entsteht bei Patienten/ Kranken sowie bei gesunden Bürgern das Bedürfnis, einen Dauer-Ansprechpartner für berufliche und persönliche Fragen zu haben. Vielfach stimmt die "Chemie" am Arbeitsplatz nicht, Ehen sind geschieden oder die Ehepartner untereinander verstummt. Auch Todesfälle, schwere Erkrankungen in der Familie und im sozialen Umfeld führen zu einem Nachdenken über die eigene Einstellung zum Leben und zum eigenen Tod. Ferner kommt es schon frühzeitig oft zur Vereinsamung. Der Begriff des "Single-Haushalts" ist ein entsprechendes Sprachbeispiel.

Soziale Netzwerke, wie sie früher Kirchen, Parteien, Vereine und Nachbarschaften geboten haben, haben ihre ursprünglich verbindende und Konflikte lösende Rolle verloren. Die suchtartige Nutzung des Internets kann keine existentiellen Fragen zu den Themen Beruf und Lebensführung lösen.

Life-Coaching kann vor dem Hintergrund dieses gesellschaftlichen Szenarios Menschen eine Dauer-Gesprächsbetreuung anbieten, die beispielsweise 6 Mal im Jahr ein halbstündiges persönliches Gespräch umfasst und 6 Telefonkonferenzen / telematische Internet-Video-Konsultation wie mit dem System Skype, das kostenlose Videokonferenzen über Internet gestattet.

Bei einem Preis von zum Beispiel Euro 40,00 pro Monat, über Lastschrifteinzugverfahren geregelt, ergibt sich eine Dauereinnahme pro betreutem Patienten von Euro 480,00 inklusive Mehrwertsteuer pro Jahr.

Zielmenge wären 250 Patienten, die von der Einschätzung her eine Zeit-Inan-spruchnahme von maximal 40-55% des vereinbarten und zugesagten Zeitkontingentes umfasst. Erfahrungsgemäß wird dies durch Urlaub, Krankheit, andersartige Akut-Prioritäten der dauerbetreuten Klienten vermindert.

Damit ergibt sich für das zu ca. 40% höchstpersönlich beim Arzt in Anspruch genommenen Zeitkontingent ein zusätzlicher Gesamtumsatz von Euro 120.000,00. Hinzu kommen die Ausgaben für die den Arzt unterstützende Kommunikationsassistentin / Co-Mentorin.

Für die Nutzung der Praxis entstehen keine weiteren Kosten, ggf. maximal für den Zeitaufwand und den Versand eines elektronischen, persönlichen, monatlichen Arzt-Informationsbriefes für die auf Dauer betreuten Klienten. Dieser kann ggf. innerhalb eines übergeordneten Netzwerkes auch zentral erstellt und später individuell modifiziert werden.

Zeitlicher Entlastungsfaktor: Die Co-Mentorin

Wie aus der Depressionstherapie bekannt, ist es vielen Menschen oft wichtig, über einen primär zeitnah zuwendungsorientierten Gesprächspartner zu verfügen. Damit ergibt sich die Möglichkeit, ggf. neben dem Arzt eine mitbetreuende Entlastungsassistentin von Anfang an einzubauen, die bei den Zielvereinba-rungsgesprächen immer mit anwesend ist.

So würde eine tatsächlich zeitliche Primär-Inanspruchnahme für die Rolle des Lebensführungs-Coaches mit dem jährlichen Ziel-Vereinbarungsgespräch und den zusammenfassenden Quartalsgesprächen erfolgen. Zwischen- und Telefonkontakte über das Einhalten vereinbarter Ziele sind Stand der Ernährungsneuordnung und der Körperwerte aus dem Dauertraining in den Bereichen Kräftigung und Bewegung und können durch die Co-Mentorin abgefragt werden.

Dauer-Kommunikation mit Hilfe systematischer Fragetechniken - Zielvereinbarung über Berufs- und Lebensführung

Die Grundlage des Dauer-Coachings ist die nach einem Analysegespräch festgelegte Zielvereinbarung. Auf diese Zielvereinbarung bauen sich 5-Jahres-Plan, 2-Jahres-Plan, 1-Jahres-Plan, Halbjahres-Plan und Monats-Plan auf.

Dazu gehören die vom Arzt gestellten Schlüsselfragen, die ihm von seiner eigenen, ihn betreuenden und zeitlich entlastenden Coaching-Organisation vermittelt werden. Zum Beispiel:

Schlüsselfragen:

"Verehrter Klient, was sind die beiden zentralen Ziele für Ihren Beruf und für Ihren privaten Lebensschwerpunkt?

Wo möchten Sie in 10, 5, in einem Jahr stehen?

Um diese Ziele zu erreichen, was sollen die Eckpunkte in den Bereichen Gesundheit, Ernährung, Gewicht, Bewegung, Dauerbelastungsfähigkeit sein?"

Umsetzung der Ernährungs- und Bewegungsziele werden extern delegiert

Alle konkreten Umsetzungsstrukturen in den Bereichen Ernährung und Bewegung werden einem regionalen Spezialpartner mit eigener Dienstleistungsvereinbarung übergeben. Denkbar sind hier lokale, qualifizierte Partner aus den Bereichen Ernährung, Fitness, Sport, Physiotherapie.

Die dauerhafte Integration und Übermittlung der Zwischenergebnisse der Ernährungs- und Bewegungspartner fließt in die kontinuierlich-persönliche und telematische Betreuungskonzeption ein.

Das Geheimnis des Dauercoachings: Systematische Frage- und Zuhörtechnik

Der Mehrzahl der Ärzte ist bewusst, dass der beste Zugang zu den Patienten gewonnen wird, wenn man fragt und über Fragen und Handlungsalternativ-Fragen den Patienten zu eigenen Schlussfolgerungen kommen lässt.

In den Bereich der Mentalmedizin und Psychotherapie und im industriellen Coachingbereich wurden diese Fragetechniken professionell entwickelt und sind auf einem spezifisch für Life-Coaches entwickelten Schulungskonzept verfügbar. Dennoch bleibt festzustellen, dass niedergelassene Haus- und Fachärzte - bis auf die einschlägigen Psycho-Berufe - vielfach all das scheuen, was mit Gehirn, Mentalsteuerung und seelischer Befindlichkeit zusammenhängt.

Die eigene Angst/ Lebenserfahrung ist derart groß, dass es bei dem Thema Zuwendung/ seelisch-geistige Faktoren ggf. zu nicht kontrollierbaren oder emotional zehrenden, zeitaufwändigen Prozessen kommt.

Über systematisch vermittelte Frage- und Zuhörtechniken ist beim Dauer-Life-Coaching-Konzept nach dem Wiesbadener Modell aber gewährleistet, dass es zu einem umfassenden Selbst-Beantwor-tungs- und Selbststeuerungsprozess durch den betreuten Klienten kommt. Das qualifizierte Fragekonzept sichert Zufriedenheit und Erfolg des Dauerbetreuungskonzeptes.

Analysen zeigen, dass 10% der Patienten und durch entsprechende Informationsveranstaltungen neu gewonnene Klienten Interesse an einem solchen Dauerbetreuungskonzept durch niedergelassene Haus- und Fachärzte haben.

Wichtig ist den Teilnehmern, dass gerade keine "Psycho-Berufe" die Rolle des Dauer-Coaches/ Mentors übernehmen. Im deutschsprachigen kulturell-sozialen Umfeld ist nämlich jede Art von psychotherapeutischer Begleitung als persönliche oder berufliche Lebensunfähigkeit und Krankheit geächtet.

Die Begleitung "normaler Organärzte" aus den Bereichen Hausarzt, Orthopäde, Internist, Frauenarzt, Urologen wird hingegen als völlig sinnvoll zur Leistungssteigerung und Gesundheitserhaltung erachtet.

Kalkulationsbeispiel:

250 Dauerklienten à EUR 40,00 pro Monat über 12 Monate = Euro 480,00 pro Jahr.

250 Dauerklienten ergeben einen Jahres-Gesamtumsatz in Höhe von Euro 120.000,00.

An entstehenden Kosten sind zu berücksichtigen die abzuführende Mehrwertsteuer in Höhe von maximal Euro 24.000,00 und ggf. die Kosten für eine Mitarbeiterin in Höhe von Euro 30.000,00. Somit verbleiben Euro 54.000,00 als Gewinn.

Im Mehrwertsteuerbereich kann ggf. all das, was im Arztbereich sonst nicht als Mehrwertsteuer gegenrechenbar ist, als Kostenaufwand in Anrechnung gebracht werden.

Euro 66.000,00 Gewinn oder mehr steht der Zeitaufwand gegenüber. Dies sind 500 Arbeitsstunden pro Jahr unter Berücksichtigung von 8 Arbeitsstunden pro Tag. Damit ergeben sich 82 Arbeitstage an 240 Gesamt-Arbeitstagen.


Insoweit könnte der Arzt ein die Praxis ergänzendes Honorar erzielen bei einem eigenen Zeitaufwand von 25% seines Zeitaufwandes.

Denkbar ist zur Entlastung im Vertragsarztbereich die Umwandlung einer halben Zulassung in eine Angestelltenzulassung und somit der persönliche Ausbau von Privatmedizin, ohne die vertragsärztliche umfassende Dienstleistung anzutasten.

Berufsperspektive einer aktiven Berufsgestaltung zwischen 50 und 75 Jahren

Mit einer solchen ärztlich-gewerblichen Doppelfunktion kann auch für die Zeit nach Aufgabe der vertragsärztlichen Tätigkeit eine befriedigende und ertragsstarke Einkommensergänzung erschlossen werden. Hinzu kommt, dass diese Funktion auch an anderen attraktiven Standorten ausgeübt werden kann, die außerhalb der Praxis liegen.

Denkbar ist die Mitnutzung einer Steuerberatungskanzlei, einer Marketingagentur, Einzug in das Haus eines Arbeitgeberverbandes, einer Industrie- und Handelskammer, einer Verlagerung an einen zentralen Standort in einem viel genutzten Innenstadt-Gewerbebereich.

Externe Hilfestellungen bei der Entwicklung und Dauerorganisation des Life-Coaching-Konzeptes

Im Mittelpunkt des Life-Coaching-Ansatzes nach RA H.-J. Schade, Wiesbadener Modell, steht ein systematischer Kommunikationsprozess.

Zentrales Steuerungselement ist die konsequente Nutzung von Fragetechniken. Dadurch haben die Betreuer und Mentoren die Möglichkeit, die Klienten zu einer dauerhaften individuellen Selbstverantwortung und zu einem entsprechenden reflexiven Selbstbeobachtungs- und Selbstlösungsprozess zu führen.

Ärzte erhalten pro Jahr das Angebot, drei 2-Tages-Seminare/ Workshops zu besuchen, die sie in die Lage versetzen, die notwendigen Kommunikationsbedürfnisse, betriebswirtschaftliche, juristische und steuerliche sowie Marketingfakten zu erlernen.

Sie erhalten regelmäßige Lektionen und Vorstellungen zum Einsatz der Fragetechnik mit entsprechenden Fragen und Beispielen.

Für die vom Arzt auszuwählende Kommunikationsassistentin / Co-Mentorin ist ein Zugang zu den Schulungs- und Betreuungs-Workshops eingeschlossen.

Ein entsprechender Ausbildungslehrgang für Kommunikationsassistentinnen wird mit einem Zertifikat einer Industrie- und Handelskammer entwickelt.

Die Kosten der Betreuung pro Monat betragen für den Arzt Euro 150,00. Hinzu kommt der Vorschlag eines persönlichen Coaching-Mentoren-Briefes für die vom Arzt gewonnenen Klienten, den dieser individualisieren kann.

In den ersten Jahren wird zweimal pro Jahr die Möglichkeit geboten, vor Ort unter Supervision eigene Patienten-Coaching-Gespräche zu optimieren.

Unterlagen und Vertiefungskontakt über M³C, Wiesbadener Modell, Coaching-Projekt, Frau Renate Posern, Tel. 0611-1809412.

Bitte beachten Sie hierzu auch den am 23.1. und 13.2.2010 stattfindenden Impuls-Workshop.

H.-J. Schade
Rechtsanwalt
Fachanwalt für Medizinrecht
Broglie, Schade & Partner GBR

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