Das RA Schade Forum Health Care
am Freitag, den 27.11. / Samstag, den 28.11.2009
Auf den radikalen Umbau unseres Gesundheitswesens
nach der Wahl vorbereitet sein
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H.-J. Schade
Rechtsanwalt
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Die Zukunft niedergelassener
Arztpraxen liegt im Ausbau
anstatt im Abbau
Nur lokale, primär fachgleiche Sozietätsmonopole können die Marktmacht von Krankenhäusern und Krankenkassen niederringen und ärztlichen Nachwuchs radikal andersartig anziehen und einsetzen.
Nach der Bundestagswahl hört die Augenwischerei auf
Die Bundestagswahl ist entschieden. Es wird zu keinen Veränderungen kommen, die grundsätzlich neu sind.
Es vollzieht sich vielmehr eine öffentliche Verarbeitung von Fakten, die für Experten vorhersehbar waren, aber aus wahltaktischen Gründen bisher nicht diskutiert wurden.
Dazu gehören
- die Aufhebung der Bedarfsplanung 2012,
- das Forcieren der Fusionen von Krankenhäusern und Krankenkassen,
- die Aufforderung an die Ärzte, ihre bisherige kleinteilige Freiberuflichkeit zu großen schlagkräftigen unternehmerischen Einheiten auszubauen.
Das von RA Schade initiierte und moderierte ärztliche/zahnärztliche 2-Tages-Informationsforum für unternehmerische Führungskräfte am Freitag, den 27.11. und Samstag, den 28.11.2009 präsentiert Ihnen, den Ärztinnen und Ärzten, den Vertretern der Pharmaindustrie, der Krankenhäuser und der Krankenkassen Argumente, Trends, Engpässe und Lösungsmöglichkeiten der nächsten fünf Jahre und lässt Sie mit den Gestaltern des neuen Gesundheitsmarktes diskutieren.
Sie können beginnen, sich ein Netzwerk für diese vom Gesetzgeber als notwendig beschlossene, integrierte regionale Versorgung aufzubauen.
Gleichzeitig gilt es, sich mit radikal neuen, größeren, freiberuflichen Sozietätsstrukturen und einem völlig andersartigen Einsatz des ärztlichen Nachwuchses einzustellen.
Die medizinische Versorgung insbesondere auf dem Lande ändert sich inhaltlich, örtlich und vom Wohnfeld her dramatisch. |
Entweder es gelingt Ihnen, an der Spitze der Entwicklungen mit zu schwimmen oder Sie werden in den Stromschnellen des neuen Entwicklungsflusses untergehen.
Die Schlüssel-Einfluss-Faktoren
der Gesundheitspolitik
- Kein Geld.
- Weniger Ärzte bei mehr intensiven, chronischen, gleichzeitigen Krankheitsbildern pro Patient.
- Der neue Arzttyp des zwischen Wohnen und in der Fläche arbeitenden Arzt-Nomaden als Vergütungssöldner.
Die Fusionswelle rollt -
Fressen oder gefressen werden
Die riesige Fusionswelle bei den Krankenkassen kommt in Bewegung. Die Barmer Ersatzkasse (BEK) schluckt die Gemündner Ersatzkasse (GEK), die Kaufmännische Krankenkasse Halle (KHK) fusioniert mit der Betriebskrankenkasse der Allianz und nutzt als Markennamen für den GKV-Sektor den Begriff aus der Privatwirtschaft der privaten Krankenversicherung "Allianz".
Dahinter steckt die größte Transformation des GKV-Sektors der deutschen Sozialgeschichte. Innerhalb der nächsten 10 Jahre zieht sich der Staat immer mehr von seiner sozialpolitischen Verantwortung zurück und überlässt den bisherigen staatlichen Kollektivmarkt einer größeren Ausdifferenzierung von Angeboten mit neuartigen Tarifen von Krankenkassenleistungen und individualistischen Zusatzangeboten.
PKV -
Zentraler, indirekter Mitspieler
Die dabei zentral mitspielenden Zusatzversicherer, die parallel gleichzeitig Krankenhauskonzerne erwerben und ambulante Gesundheitsimmobilien errichten, sind:
- Die DKV mit dem Hintergrund der Ergo-Gruppe und der Allianz Rückversicherung. Hierzu gehört jetzt schon die Beteiligung an den Krankenhauskonzernen Mediclin, Asklepios und der Gesundheitsimmobiliengruppe GoMedos.
- Die Allianz-Krankenversicherung und ihre neuen Tarifstrukturen, die immer stärker den Volltarif reduziert und ihren eigenen Privatversicherten einen verbilligten PKV-Tarif anbietet, der die Patienten zwingt, nur noch Empfehlungspartner aus dem Bereich Krankenhaus/ niedergelassener Arzt in Anspruch zu nehmen.
- Die Central-Versicherung mit dem Hintergrund der Generali Versicherungsgruppe und deren Versicherungstochter Enviva, die die Tarife der Techniker Krankenkasse ergänzt und bei der das Atriomed-/ MVZ-Konzept gefördert wird.
Eine Neuerscheinung im Deutschen Ärzteverlag zeigt die Handlungsoptionen für niedergelassene Ärzte auf
Für alle Skeptiker dieser eingeschätzten und dargestellten Entwicklung sei ein Buch empfohlen, das im Deutschen Ärzte-Verlag eher den Status quo verteidigenden Traditionskörperschaften erschienen ist, mit dem Titel
Innovative Versorgungsformen
im Gesundheitswesen
Hrsg.: G.E.Braun/ J. Güssow/ A. Schumann/ G. Heßbrügge
ISBN-Nr. 978-3-7691-3398-1
Wichtig ist zu wissen, dass der Deutsche Ärzteverlag die gemeinsame Verlagstochter von Bundesärztekammer und KBV ist.
Das Buch muss als Notruf und verstecktes Handlungssignal für alle freiberuflich zukunftsorientiert denkenden Ärzte verstanden werden.
Die Auswahl der Autoren und Herausgeber dieses Sammelbandes und die dargestellten Themen, Szenarien und Literaturhinweise haben nur eine einzige Bedeutung für die niedergelassene Ärzteschaft:
"Es ist eine Minute vor Zwölf…, bildet in den letzten Sekunden vor einem Ende der tradierten, kleinteiligen Freiberuflichkeit bei der Andersartigkeit des ärztlichen Nachwuchses neue, lokale Monopole und entwickelt neue Dienstleistungskonzepte. Wenn dies nicht in kürzester Zeit geschieht, müssen kapitalistische Gesundheitskonzerne mit Angestellten-Sektor den ambulanten Sektor übernehmen, weil ansonsten eine Empörungswelle schlecht versorgter Menschen im ländlichen Bereich Kommunen, Landkreisen und Krankenkassen das Leben zur Hölle machen!"
Leiter Zentralinstitut der KBV (ZI):
"Nachwuchsengpass" schafft
erdrutschartige Veränderungen
im ländlichen Bereich!
Für alle unternehmerischen Ärzte, die sich Zukunftsfähigkeit wünschen, Betreiber von tradierten Einzelpraxen und alle potentiellen Abgeber der nächsten 7-10 Jahre ist ein Beitrag von Dominik Graf Stillfried, Chef des Zentralinstitutes (ZI) der KBV ein "Lese-Muss"!
Getarnt als persönliche Meinung des Autors stellt er professionell und schonungslos verschiedene, realistische, aber auch widersprüchliche Handlungsszenarien für die Zukunft dar, die den ambulanten Bereich in jedem Falle beeinflussen. Gleichzeitig beschreibt er die wichtigste Entwicklungstendenz in der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung, die der freiberuflich arbeitende Arzt zu beachten hat.
Jetzt informieren -
Später gezielt handeln
Wer sich auf eine veränderte Zukunft - trotz verständlichen inneren Widerstrebens - vorbereitet, wird den Wert seiner Praxis und sein Einkommen steigern. Schon jetzt ist klar: Ein Drittel der jetzt auf den Markt kommenden Zulassungen kann nicht nachbesetzt werden, weil der ärztliche, überwiegend weibliche Nachwuchs Teilzeitfunktionen und keine Vollzeitfunktionen wünscht. Ferner, weil er nicht dauerhaft aufs Land ziehen will, sondern nur noch als Söldner gut bezahlt pendeln will und gut organisierte, größere ärztliche Verwaltungseinheiten erwartet, bei denen er sich nur ausschließlich auf hochqualifizierte ärztliche Tätigkeit konzentrieren kann.
Nachwuchs will keine verwaltungs-
intensive Einzelpraxis
Der Nachwuchs wünscht bei 40 Stunden ärztlicher Tätigkeit keine zusätzlichen 18 Stunden Verwaltungstätigkeit. Er wünscht maximale Spezialisierung, Befreiung auch von verständlichen, aber ggf. delegativ zu lösenden Zuwendungsbedürfnissen einer immer älter werdenden und vereinsamenden Gesellschaft.
Der Arztberuf muss sich im Hausarzt-Sektor von der Übernahme tradierter, pastoraler Funktionen trennen und diese an ärztliche Assistenzberufe oder an den tatsächlichen, noch von der Kirchensteuer bezahlten Pfarrer der beiden großen Kirchen zurückgeben.
Nachbesetzungsgau im ländlichen
Raum und in sozial schwachen
Ballungsgebieten (bspw. Ruhrgebiet) absehbar
Schon vielfach eingetreten, aber viel zu wenig öffentlich diskutiert ist ein extremer Engpass zur Wiederbesetzung ärztlicher Tätigkeit stationär und ambulant im ländlichen Raum und in sozial schwachen Umfeldregionen.
Die ärztlichen Körperschaften Kammer und KV spielen den Engpass zur Nachbesetzung ärztlicher Funktionen im ländlichen Raum noch herunter. Mit ihrer chaotischen Weiterbildungspolitik im internistischen Bereich haben sie aber in den letzten 10 Jahren selbst nachhaltig zu der jetzt eintretenden Verknappung beigetragen.
Finanzierung: Pro Ärztin nur die halbe Arbeitskraft bei Familienplanung
Die Schlussfolgerungen aus der Feminisierung wurden schlichtweg von der KBV übersehen, was die Übernahme von Vollzeit-Arbeitsplätzen betraf. Man tröstete sich, dass man eine ausreichende statistische Zahl von Ärzten der Gesundheitspolitik vorweisen konnte, vergaß aber, dass dahinter der Wunsch nach Halbtags-Jobs bei den Frauen existierte, die nach der Ausbildung eine verantwortungsvolle Familienbildung ins Auge fassen wollen.
Für die Krankenhäuser und die Facharztebene des ländlichen Raumes mit seinen kleinen Mittelstädten ist dies nunmehr nicht nur im Osten, sondern auch im Westen ein Schlüsselproblem. Regionen mit dem Problem radikaler Unterversorgung und der Nicht-Verkaufbarkeit von Einzelpraxen sind das Sauerland, der Niederrhein/Emsland, Harz, Vogelsberg, Odenwald, Pfälzer Wald.
Einer Versorgungskatastrophe für die medizinische Versorgung kann nur durch einen radikalen Wandel und eine Rückbesinnung auf die existentielle Rolle von Ärzten im Bereich Diagnostik, Operationen, interventionellen Strukturen und Therapie vorgebeugt werden.
Wer jetzt nicht diesen Entwicklungen ins Auge sieht und ungewöhnliche Antworten entwickelt, verliert seine Zukunftsfähigkeit.
Psychosoziale Erdrutschfaktoren durch Neudefinition der ärztlichen Berufs- und Privatrolle: Rollenteilung bei gleichberechtigter Ehe mit Kindern und gleichzeitiger Arbeitstätigkeit.
Der ärztliche Nachwuchs der Vergangenheit war männlich und der weibliche Ehepartner - oft Krankenschwester, MTA - folgte dem Ehepartner aufs Land und verzichtete auf eigene berufliche Verwirklichung.
Jetzt ist die Situation radikal anders. Die Mehrzahl des Nachwuchses ist weiblich, will Kinder bekommen und weiterarbeiten und hat einen männlichen Partner, der schon jetzt in seinem Ballungsgebiet eine führende Rolle als Berufstätiger inne hat. Die Ehepartner dieser Ärztinnen sind im Schnitt sechs Jahre älter und selbst als Chefarzt, Bankdirektor, Steuerberater mit eigener Kanzlei, Richter am Landgericht etc. schon fest etabliert und damit ohne jede Möglichkeit, Wohn- und Arbeitsort zu wechseln, verankert.
Alles konzentriert sich in attraktiven Ballungsgebieten
Diese Frauen müssen nun mit völlig anderen Schlüsselanforderungen ihr berufliches und persönliches Leben planen:
- Teilzeitfunktionen für berufliches Tätigsein - ohne Investition - und mit optimal geregeltem Arbeitsablauf und ggf. Unterstützung für Abrechnung, Dokumentation, ausschließliche Konzentration auf existentielle ärztliche Tätigkeiten.
- Um Zeit für den Beruf zu haben benötigen sie, selbst wenn sie in der Fläche pendelnd arbeiten, einen 24-Stunden-Kindergarten an ihrem Wohnort und einen individuellen Fahrdienst für ihre Kinder, um Frühförderung, Kindergarten, Schule, Sport, Freizeit und Ernährung zu festen Zeiten für die Kinder sicherzustellen.
- Dazu gehört ergänzend ein optimales Wohn- und Lebensumfeld für sich und die Kinder im Rahmen eines größeren Netzwerkes von anders- oder gleichartigen gesellschaftlichen Führungskräften/ selbstständigen mit Zugang zu Kultur, Bildung, Freizeiteinrichtungen auf kürzestem Wege.
Konsequenz: Ärzte als Pendel-
Nomaden zwischen Wohnen in der
Stadt und Arbeiten in der Fläche
Eindeutig existiert die Bereitschaft zum Arbeiten in der Fläche, wenn die Rahmenbedingungen stimmen, wobei Fahrzeiten bis zu 45 Minuten und Entfernungen bis zu 70 Kilometern akzeptiert werden. Vorausgesetzt, der Arbeitsplatz ist gut organisiert und ist befreit von allen Konflikten, wie sie die tradierte Einzelpraxis mit sich bringt oder aber auch von unsinnigen Zeitstrukturen, Rollenstrukturen, die sich an Krankenhäusern unter Einfluss des Marburger Bundes/ Verdi und einer tradierten Arbeitsplatzbeschreibung entwickelt haben.
Bei nunmehr völlig andersartiger Prioritätensetzung führt das in Zukunft extrem rare auftauchende Wirtschaftsgut "ärztliche Arbeitskraft" zu neuen Arbeitsabläufen. Es muss so organisiert werden, dass ggf. Ärzte mit Konzentration nur auf die wichtigsten Funktionen 8-12 Stunden pro Tag arbeiten und dann die Möglichkeit haben, einen oder zwei Tage Pause einzulegen um ggf. Freitag/ Samstag an einem anderen Standort oder am gleichen Standort als Pendler nochmals zu arbeiten.
3 Tage mit Übernachtung in der Fläche, dann zum Wohnort
Denkbar sind auch Gestaltungsansätze, bei denen ein Arzt 3 Tage an einem Standort kontinuierlich im Einsatz ist, an diesem Standort übernachtet, um dann wiederum zu seinem Wohnort und zu einer Zweit- oder Dritt-Tätigkeit zurückzukehren.
Nachwuchsarzt zwischen Selbstverwirklichung und gleichverpflichteter Hausmann-/Elternrolle
Ähnliche Konsequenzen wie bei dem neuerdings feminisierten, zukünftigen Arztbild muss man für die Tätigkeit von männlichem Nachwuchs in Bezug auf den ländlichen Raum und in sozial schwachen Ballungsregionen ziehen.
Die männlichen Ärzte müssen im Hinblick auf die weiter arbeitende, akademische Ehefrau in attraktiven Wohn- und Wirtschaftszentren verbleiben und können somit ihre Arbeitszeit und Arbeitskraft für ein Krankenhaus und im niedergelassenen Bereich der Fläche nur extrem modifiziert zum jetzigen Rollenbild anbieten.
Praxis-OP-Prozessabläufe
verdichten
Gut ausgebildete leistungsfähige Operateure und Diagnostiker/ interventionelle Kardiologen/ Gastroenterologen verbringen bis zu 50% ihrer Zeit in einem von Vergangenheitsritualen geprägten Umfeld nicht jedoch in einer notwendigerweise von diesem Arzt oder einer delegativen Assistenz durchgeführten Funktion.
Entscheidend wird sein, diesen Personenkreis effektiv nur zu dem einzusetzen, was ihn besonders auszeichnet und maximalen Nutzen für den Arzt und für die Aufgabenstellung bringt. Zwischen 40 und 60% der Funktionen eines Arztes sind aktuell ggf. delegative oder verzichtbare Funktionen.
Wer denkt am schnellsten um?
Anstatt 4-5 Tage mit Operieren, Diagnostik, Verwaltung, Querelen mit dem Umfeld und mit ggf. delegativer Zuwendung bei Patienten zu verbringen gilt es nun, für die Fläche Konzepte zu entwickeln, wie die existentiellen Funktionen in zwei Tagen erbracht werden können.
Zum Beispiel im Hinblick auf zentrale Anteile an einer Operation / Intervention. Dies verlangt eine andersartige Struktur und Optimierung von Vorbereitung, Ablauf und Nachsorge.
International zeigen dies auch Beispiele in Ländern, wo traditionell eine wesentlich höhere Ärzteknappheit existiert. Dies gilt sowohl für den Krankenhausbereich als auch für das ambulante Operieren und interventionelle Eingriffe.
Faktisch wird ein künftig fiktiver "OP-Söldner/ Diagnostiker" in die Fläche fahren und morgens ab 7.00 Uhr nur diagnostizieren und operieren und ggf. eine Nacht in der Fläche verharren, um am Mittwoch und ggf. Donnerstag zu pausieren. Denkbar ist aber auch, dass er donnerstags und freitags wiederkommt oder aber freitags und samstags am gleichen oder an einem dritten Standort einer hochspezialisierten Tätigkeit konzentriert nachgeht.
Statt Dauer-Funktion künftig
von Vertreterlösungen leben
Viele Nachwuchsärzte im Krankenhaus verlangen bereits jetzt nur noch halbe Stellen, um für ihre Familie und für Springer-/ gut bezahlte Vertretertätigkeiten stationär/ambulant Kapazitäten zu haben. Diese Einschätzung wird von Personalleitern/ Geschäftsführern von Krankenhäusern und den Gründungsgesellschaftern großer fachärztlicher Berufsausübungsgemeinschaften bestätigt.
Telematik/ Video-Konferenzen mit zuweisenden bzw. einweisenden Ärzten gehören in Zukunft zu Instrumenten, um Zeit zu sparen.
Video-Konferenz statt Facharzt-Kontakt
Der Erstkontakt in der OP-Praxis/ Facharzt-Diagnostik-Praxis wird überflüssig, wenn der konservativ arbeitende Orthopäde, HNO-Arzt oder Gynäkologe, Karkdiologe, Gasto-/Enterologe im Rahmen einer überörtlichen Sozietät Einweisungs-/ OP-Fall mit dem Einweiser als Tele-/ Videokonferenz bespricht.
Alle Daten und Bilder können telematisch übermittelt werden. Gleichzeitig kann organisiert werden, wenn es zu einem stationären Eingriff mit Krankenhausärzten oder freiberuflichen Konsiliarärzten kommt, dass dies, was die qualifizierte vorbereitende Diagnostik betrifft, telemedizinisch stattfindet.
In der Hausarztpraxis könnte eine Krankenschwester viele Patienten zu Hause - auf Anruf - besuchen oder in einer zentralen Anlaufpraxis den Erstkontakt für Hausarztpatienten kanalisieren.
Der verantwortliche, in Zukunft zeitlich knappe Hausarzt wird dazugeschaltet und - wo auch immer er sich räumlich befindet - die Videokonsultation auf der Basis telematischer Datenübermittlung übernehmen.
Patienten mit Patienten-
Sammeltaxis abholen
Der Patient wird mit den öffentlichen Nahverkehr ergänzenden Patienten-Sammeltaxis als Initiative der Kommune zu den jeweiligen ärztlichen Standorten der regional versorgenden Ärzte gefahren, die unter Verzicht auf die tradierten Erstkontakte nur noch die zentrale medizinische Hauptfunktion übernehmen.
Die Rolle der pastoralen Zuwendung und der ergänzenden Lebensführungsberatung im Hausarztbereich muss eine akademisch ausgebildete Persönlichkeit aus dem Heil- und Hilfsberufsbereich übernehmen. 50% der hausärztlichen Funktionen können so neu strukturiert und damit einer qualifizierten chronischen Krankheitsversorgung und Akut-Diagnostik und -Therapie zur Verfügung gestellt werden.
Der öffentliche Aufschrei der Gesellschaft beim Verlust tradierter Strukturen wird ansonsten genauso groß sein, wie die Angst niedergelassener Ärzte, ihre bisherigen Rollenbilder anzupassen.
Das neue Rollenmodell der ländlichen Versorgung
Einsatz spezialisierter Nomaden an Stelle breit gefächerter ärztlicher Dauerbereitschaft
Verkürzt heißt die Botschaft: Ländlicher Raum und sozial schwache Ballungsgebiete werden in Zukunft überwiegend durch hoch spezialisierte, extrem effektiv arbeitende Dienstleistungsärzte mit Söldner-Charakter versorgt. Die Einheit von Wohnen und Arbeiten in Einzelpraxen mit Dauerzuwendung für den Patienten als ärztliche Liebe konsumierenden Bürger entfällt.
Dies ist die klare Analyse des Zentralinstituts der KBV, dargestellt in dem Artikel "Die Zukunft der Finanzierung und Vergütung neuer Versorgungsformen - ein Plädoyer für strategische Szenarien" von Graf Dominik von Stillfried.
Ebenso ist es Thema des Sondergutachtens 2009 für die Versorgungsrealitäten der nächsten zehn Jahre, erstellt durch den Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen unter Leitung von Prof. Dr. Gerlach, einzusehen unter http://www.svr-gesundheit.de
Zurzeit ist laut Sachverständigenrat die Kontaktquote einer immer stärker vereinsamenden Bevölkerung 18 Kontakte pro Jahr zu in Anspruch genommenen Ärzten. Sie ist drei Mal so hoch wie der europäische Durchschnitt.
Das heißt, die jetzige pardiesische wohnortnahe Überversorgung mit Kompetenz und Zuwendung wird in den nächsten 5 Jahren radikal modifiziert und auf eine existentielle, wirtschaftliche und effektive Basisversorgung reduziert werden.
Das verlangt jedoch eine umfassende Veränderung der freiberuflichen Strukturen, der Dienstleistungs- und Attraktivitätskonzepte von Krankenhäusern und ein Überdenken von allen Rollenbildern, die niedergelassene Ärzte, Kommunalpolitiker und Krankenhausbetreiber vor Augen haben.
Ambulant-stationäre Versorgung
Alle Rituale, Ablaufprozesse, Kontaktstrukturen der ärztlichen Tätigkeiten müssen unter Nachwuchs-Gesichtspunkten auf den Prüfstand!
Der sich für die traditionelle Struktur abzeichnende Versorgungs-Engpass kann nur gelöst werden, wenn sich größere fachgleiche überörtliche Sozietäten bilden mit neuer Arbeitsteilung und unter Einbezug ergänzender delegativer Assistenzberufe.
Praxisergänzende Gesundheitsimmobilien am Krankenhaus und in zentraler Lage müssen dabei zentral gesteuerte, ergänzende Dienstleistungsprozesse entwickeln, die den Bedürfnissen der neuen Arztrolle mit delegativen Strukturen und der Versorgung der Patienten wohnortnah mit delegativer Zuwendung entsprechen.
Spezielle Konzepte für die Versorgung nicht mehr mobiler, erkrankter Menschen zu Hause gehören ebenso dazu, wie telematische Dienstleistungen auf der Basis moderner Informationssysteme.
Damit entstehen neue ärztliche Dienstleistungsstrukturen im Bereich Diagnostik, Operationen, Interventionen, Therapien und Schulungen. Hinzu kommt die Vorhaltung von rund um die Uhr Notfall- und Bereitschaftsdiensten.
Großräumige Werbegemeinschaften erforderlich
Die erfolgreiche Umsetzung verlangt ergänzend neben der schrittweisen Auflösung der kleinteiligen freiberuflichen Struktur die Zusammenarbeit mit Krankenhäusern, ferner überregionale Werbekonzepte für die Tätigkeit von Ärzten mit attraktiven wohn- und partnergerechtem Arbeitsumfeld und entsprechend gut bezahlten attraktiven komprimierten Dienstleistungen in der Fläche und in sozialen Ballungsgebieten.
Die Problematik kann kommunalpolitisch nur durch die Bildung von so genannten Gesundheits-Großregionen gelöst werden. Damit ist das Pendeln in die Fläche im Rahmen des dargestellten nomadisierenden Pendler-Modells eingebunden. Gleichzeitig wird sich aus ökonomischen Gründen ergeben, dass die bisher so feste Bindung an einen Wohnort und die Tätigkeit im Rahmen einer durch die Knappheit von Arztkräften entwickelten Söldner-Mentalität abgelöst wird.
Diese Struktur ist als Übergangsstruktur zu begreifen und wird ab jetzt die nächsten 15 Jahre prägen.
Die freiberuflichen Strukturen werden größer werden. Dennoch ist zu vermuten, dass auch diese großen Strukturen mit lokalpolitischer Machtstellung in einem Stufenprozess von standardisierten bundesweiten Spezialketten und Krankenhausanbietern übernommen werden. Dies ist in den von Graf von Stillfried, Chef des Zentralinstitutes, als auch von Prof. Gerlach, Chef des Sachverständigenrates, dargestellten Szenarien erkennbar.
Das bedeutet nicht, als engagierter Freiberufler und Anhänger eines leistungsfähigen Mittelstandes jetzt die Segel zu streichen. Im Gegenteil, es wird neue Formen, teilweise auch im Bereich der Privatmedizin geben, die wiederum individueller, innovativer Selbstständigkeit einen Platz einräumen werden.
Gleichzeitig ergeben sich Möglichkeiten, geschaffene, neu strukturierte, freiberufliche Strukturen zu guten Preisen zu verkaufen und in der Zwischenzeit gute Erlöse für eine völlig neuartig strukturierte ärztliche Arbeit zu erzielen.
Der Autor ist Dozent an der Fachhochschule Gießen-Friedberg (StudiumPlus)in Wetzlar und
Vorsitzender des Landesverbandes West der Deutschen Gesellschaft für Integrierte Versorgung im Gesundheitswesen e.V.( DGIV)
Schreiben Sie dem Autor oder besuchen Sie den von RA H.-J. Schade initiierten Zukunftskongress in Wiesbaden am 27./28.11.2009.
H.-J. Schade
Rechtsanwalt
Fachanwalt für Medizinrecht
Broglie, Schade & Partner GBR
65193 Wiesbaden
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Fax: 0611/1809518
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