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Für die niedergelassene Ärzteschaft ist die jetzige Zeit vom Rollenbild her, der Einkommensstruktur und dem Wunsch nach stabiler Zukunft ein nicht durchschaubarer Fließprozess.
Wem gilt es, sich zu stellen?
Der ärztliche Nachwuchs verweigert sich der Übernahme der tradierten, primär männlich geprägten Tätigkeit in einer Einzelpraxis.
Die Mehrzahl des jetzigen Nachwuchses (59%) ist weiblich. Als Frau mit Mutterrolle würdigen diese Kolleginnen im niedergelassenen Bereich Teilzeitfunktionen, rein medizinisch ausgerichtet. Es darf keine Zeit- und Energie gebunden werden durch Investitionen und Organisation von Praxis und Abrechnung.
Von 7.000 Abgaben pro Jahr muss somit mittelfristig die Hälfte unbesetzt bleiben.
Verbunden mit der neuen Möglichkeit, jede Vollzulassung zu teilen, ist die Bedarfsplanung damit praktisch zusammengebrochen.
Es ist kein Schutz mehr geboten und die Zulassung als solche verliert bis auf wirtschaftsstarke Ballungsgebiete rapide ihren Wert.
Trend zur räumlichen Konzentration
als Praxisgemeinschaft
In Ludwigshafen entstehen bis zum Jahre 2012 drei Ärztehäuser. Gleichzeitig erwerben bestehende Gemeinschaftspraxen weitere Zulassungen, primär in Richtung der Besetzung mit Teilzeit-Angestellten.
Damit kommt es zu einem nachhaltigen Konzentrationsprozess im niedergelassenen Bereich auf regionaler Ebene. Zunächst noch unscharf zeichnet sich ab, dass sich jetzt zwischen einer und fünf fachgleichen, interdisziplinären Anbietergruppen pro lokalem Versorgungsbereich bilden.
Die Gruppen benennen sich nach Namen von Ärztehäusern, Ärztenetzen oder nach Krankenhäusern, bei denen die Gebäude der niedergelassenen Ärzte angesiedelt sind.
In Großstädten sind es bis zu fünf Hauptgruppen, auf dem Lande entsteht pro Teilbereich eines Planungsbereiches in der Regel ein Hauptanbieter mit ca. 55% Marktanteil durch räumlichen Zusammenschluss als fachgleiche Praxisgemeinschaft, beispielsweise von 3-6 Hausarzt Einzel- und Gemeinschaftspraxen. Oder es kommt zu überörtlichen Berufsausübungsgemeinschaften (BAG) mit einer zentralen Immobilien-Anlaufstelle.
Um diese Hauptanbieter auf dem Lande und in sozial schwachen Gebieten quasi als Monopolisten gruppieren sich individualistische Praxen, denen schon jetzt bewusst ist, dass es hierfür keine Nachfolger mehr gibt.
10-Jahres-Trend im niedergelasse-
nen Bereich
Es ist davon auszugehen, dass es zu einem Konzentrationsprozess in der niedergelassenen Freiberuflichkeit kommt. Übrig bleiben ca. 20% Freiberufler, bei denen 50-60% der Ärzte angestellt sind; der Rest wird von Krankenhaus und Investoren-MVZ abgedeckt.
Gleichzeitig werden die verbleibenden Freiberufler ihre Kooperationsstrukturen so gestalten, dass sie die zwischen 2013 und 2020 in großem Umfang an Krankenhäuser übergeben können.
Wer jetzt als Haus- oder Facharzt mit einer Struktur von angestellten Ärzten und Partnern ohne Kapital investiert und 53 Jahre alt ist, weiß, dass das von ihm geschaffene Gebilde nicht mehr von einem typischen Arzt der Nachwuchsgeneration (zu 60% Frauen ohne Unternehmerorientierung) übernommen werden kann. Ihm bleibt nichts anderes übrig, als schon jetzt die Weichen in Richtung Verkauf an ein Krankenhaus/ Investor zu stellen.
Zwar entwickelt der Arzt jetzt noch eine große, schlagkräftige, freiberufliche Struktur, aber er muss schon jetzt frühzeitig in Absprache mit dem Krankenhaus Verwaltungskräfte des Krankenhauses mit Nebentätigkeitsgenehmigung in seine Organisationsstruktur einbauen. Nur so kann das Krankenhaus auch sicher sein, später diese Struktur steuern und führen zu können. Er muss mit Hilfe von Experten bereits jetzt den Rahmen der Übergabe dieser Struktur inklusive der Bewertung der ideellen und materiellen Strukturen für alle Fälle von Krankheit, Tod und Veräußerungsabsicht mit dem Krankenhaus, dem die Hauptzuweisungen zugehen, verhandeln.
Der Entwicklungsprozess in diese Richtung ist kein kommunistischer Anschlag, sondern die Folge von gesellschaftlichen Veränderungsprozessen.
Nicht Ulla Schmidt als Gesundheitsministerin der SPD verkörpert das Ende der Freiberuflichkeit, sondern die Feminisierung des Berufes als einer der Hauptfaktoren dieses Veränderungsprozesses.
Was meinen Sie als Leser? Bitte rufen Sie den Autor dieses Artikels an oder senden Sie ihm eine E-Mail mit Ihrer Wahrnehmung und Einschätzung der Zukunft.
Ihr
H.-J. Schade
Rechtsanwalt
Fachanwalt für Medizinrecht
Broglie, Schade & Partner GBR
65193 Wiesbaden
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